Behandlung mit verschiedenen Neuroleptika häufig außerhalb der Leitlinien-Empfehlung

SONY DSCDie aktuelle „Psychiatrische Praxis“ veröffentlicht eine Studie von Schmidt-Kraeplin et al. zum stationären Verschreibungsverhalten in Bezug auf Neuroleptika bei PatientInnen mit einer schizophrenen Erkrankung. Im Fokus dieser Studie steht die Praxis der antipsychotischen Polypharmazie, also der gleichzeitigen Behandlung mit mehreren Neuroleptika. Diese Praxis hat mit der Einführung der atypischen Neuroleptika zugenommen. Durch Mehrfachverschreibungen kann es zu Anhedonie und Depressionen kommen. Zudem werden somatische Auswirkungen wie ein erhöhtes Risiko für ein metabolisches Syndrom, Diabetes und eine höhere Sterblichkeit vermutet.
In einer Untersuchungsgruppe in der ausschließlich jene PatientInnen betrachtet wurden, die kein Clozapin einnehmen, lag der Anteil derjenigen, die mehr als ein Antipsychotikum einnehmen mit 36,2% bei etwas über einem Drittel. Immerhin noch 6% erhielten drei Antipsychotika, 0,6% nahmen vier und 0,2 erhielten sogar sechs antipsychotische Präparate.
Das Resultat der Untersuchung deckt sich mit Studien aus anderen Ländern, die besonders bei chronisch psychisch erkrankten  Menschen den gleichzeitigen Gebrauch mehrerer Antipsychotika beobachteten.
Die Ergebnisse sind insofern bemerkenswert, als nach der S3-Leitlinie der DGPPN lediglich die Kombination im Zusammenhang mit der Gabe von Clozapin für PatientInnen empfohlen wird, bei denen der Einsatz anderer Antipsychotika nicht zu einem therapeutischen Erfolg geführt hat.
Quelle: Schmidt-Kraeplin, C., Puschner, B. & Janssen, B. (2013). Antipsychotische Polypharmazie bei Patienten mit Schizophrenie und hoher Versorgungsinanspruchnahme. Psychiatrische Praxis, 40, 380-384.

Implikationen für die gemeindepsychiatrische Praxis
KlientInnen, die mehr als ein Neuroleptikum nehmen und z.B. depressive Symptome zeigen oder von diesen berichten, sollten ermutigt werden, dies bei Ihrem Facharzt anzusprechen -gegebenenfalls mit Unterstützung des gemeindepsychiatrischen „Profis“. Eine Ausnahme bildet laut Leitlinie das Atypikum Clozapin, das auch mit anderen Neuroleptika eingesetzt werden kann. Trotzdem sollte auch hier kritisch geschaut werden, ob nicht unerwünschte Effekte aufgrund von Wechselwirkungen auftreten.

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