Psychiatrische Fachaufsätze finden und nachvollziehen

library-1147815_640_free

Das Interesse vieler Betroffenen, Angehörigen und  MitarbeiterInnen der Gemeindepsychiatrie an medizinischen Fachinformationen ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Insbesondere vor dem Hintergrund von Empowerment, der Recovery-Bewegung und Informed Consent möchten die Protagonisten der Gemeindepsychiatrie Zugang zu Informationen erhalten, die in Vergangenheit den medizinischen Fachkreisen vorbehalten waren. Neben den Hindernissen beim Zugang zu solchen Informationen erfordert die Beschäftigung mit medizinischen Fachtexten auf Seiten der Laien meist eine gewisse Übung und Hilfestellung. Im folgenden finden Sie einige Hinweise zum Aufspüren von (frei zugänglichen) Fachaufsätzen und Internetseiten, die dabei helfen, eben jene Texte auch als medizinischer Laie inhaltlich besser nachvollziehen zu können.

Finden
Lange Zeit ließen sich wissenschaftliche Aufsätze ohne hohe Kosten fast nur in medizinischen Bibliotheken einsehen oder als Studierende/r über das Hochschulnetz in Form von PDF-Dateien herunterladen. Mittlerweile verfolgen immer mehr WissenschaftlerInnen das Konzept des „Open Access“. Die Aufsätze werden dabei nicht mehr bei wissenschaftlichen Zeitschriften eingereicht, die meist hohe Abogebühren verlangen, sondern bei solchen, die die Aufsätze kostenlos über das Internet für LeserInnen zugänglich machen. Die Suche nach solchen Open-Access-Angeboten war in der Vergangenheit häufig schwierig, weil in den Literaturdatenbanken keine Suchoption zur Verfügung stand und die kostenlosen Aufsätze zwischen den kostenpflichtigen in den Ergebnislisten auftauchten. Mittlerweile hat sich da aber einiges geändert. So lässt sich z.B. mit der Base-Search-Suchmaschine gezielt nach Open-Access-Literatur suchen, indem unter dem Suchfeld einfach ein Optionsbutton geklickt wird. Auch die Datenbank „OAIster“ ermöglicht die Suche nach frei zugänglicher Fachliteratur. Wer sich für kostenfreie psychologische Literatur interessiert, der kann zwar nicht direkt auf eine Suchmaschine zurückgreifen, findet aber auf der Seite Open-Access-Net Informationen zur weiteren Recherche.

 

Nachvollziehen
Medizinische Fachaufsätze in denen Studienergebnisse dargestellt werden, folgen in ihrem Aufbau meist einem festgelegtem Schema. Marcus Anhäuser gibt auf seinen Internetseiten eine hervorragende Einführung in den Aufbau von Fachaufsätzen. Dabei erklärt er z. B. Begrifflichkeiten wie „Abstract“ oder „Diskussion“ anhand (das ist ein kleiner Wermutstropfen) eines englischen Fachartikels. Die Seite soll langfristig weiterentwickelt werden, möglicherweise kommen z. B. noch Kapitel dazu, in denen erläutert wird, wie man die Qualität einer Studie einschätzen kann.

Das EUFIC (European Food Information Coucil) beschreibt auf seinen Seiten sehr
detailliert, wie man als Laie einen Fachaufsatz auf die Einhaltung von Qualitätskriterien abklopfen kann. Auch wenn die Organisation eher aus dem Bereich der Ernährungswissenschaften kommt, finden sich doch sehr viele Parallelen zur Medizin, so dass der Text an vielen Stellen auf psychiatrische  Fachliteratur übertragbar ist.

Das Ärzteblatt hat ebenfalls eine interessante Textreihe mit dem Titel „Kritisches Lesen wissenschaftlicher Artikel“ herausgebracht, in der ausführlich verschiedene Fachwörter erläutert werden und die LeserInnen Hinweise erhalten, wie sie die Güte einer Studie beurteilen können. Die einzelnen Texte der Reihe finden sich im Kasten auf der rechten Seite der Internetseite.

Wer Zeit und Lust hat, sich in einen längeren Text einzulesen, dem stellt testingtreatments.org ein komplettes kostenloses Buch mit dem Titel „Wo ist der Beweis? Plädoyer für eine evidenzbasierte Medizin“ zur Verfügung. Sie können das Buch entweder als HTML am Monitor lesen oder als PDF herunterladen. Um zur PDF-Version zu gelangen, müssen Sie auf der Internetseite ganz nach unten scrollen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Herzlich Willkommen 2016

fireworks-417443_1280 (1)

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Gemeindepsychiatrie.info wünscht schöne Weihnachtsfeiertage

Weihnachtsbaum-1

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Rezension: Martin Reker: Umgang mit alkoholabhängigen Patienten

Das Basiswissen zum „Umgang mit alkoholabhängigen Patienten“ spannt einen großen thematischen Bogen. Die vielen kurzen Kapitel, in denen die unterschiedlichen Aspekte der Alkoholabhängigkeit angerissen werden, fördern die Lesbarkeit…

Weiterlesen auf socialnet.de: Vollständige Rezension

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

AOK bremst innovative Verbesserungen für Psychiatrie-PatientInnen aus

http://www.swp.de/heidenheim/lokales/heidenheim/Psychiatrie-Patienten-zu-Hause-behandeln-scheitert-an-der-AOK;art1168893,3469812

Publiziert am von Ilja Ruhl | Hinterlasse einen Kommentar

Instrumente zum Überprüfen und Verhindern von Medikamentenwechselwirkungen

MedikamentenPolypharmazie häufig bei psychiatrischen PatientInnen
Bei der Behandlung psychischer Erkrankungen werden häufig mehrere Medikamente eingesetzt. Die Polypharmazie ist z.B. bei der Behandlung der Schizophrenie eher die Regel als die Ausnahme. In der gemeindepsychiatrischen Arbeit kennen wir häufig (insbesondere ältere) KlientInnen, die aufgrund somatischer Beschwerden neben Psychopharmaka weitere Medikamente einnehmen müssen. Mit der Anzahl verschiedener verschriebener Präparate steigt die Gefahr von gefährlichen Wechselwirkungen, die häufiger als solche nicht erkannt und dann wiederum mit einem weiteren Medikament behandelt werden.  Eine weitere Gefahr stellen rezeptfreie Medikamente dar, die ohne Verschreibung eines Arztes zusätzlich eingenommen werden. Häufige bzw. schnelle Arztwechsel ohne festen Hausarzt können das Risiko von Verschreibungen mit problematischen Wechselwirkungen erhöhen.


Hausarzt- und Facharztversorgung
Der wohl wichtigste Faktor für die Vermeidung von unerwünschten Wechselwirkungen ist ein/e engagierte/ Hausarzt/-ärztin bei dem/der alle Fäden zusammenlaufen, d.h. er oder sie  ist informiert über alle Verschreibungen der Fachärzte und  hat diese auch in punkto Wechselwirkungen im Blick. Gemeindepsychiatrische MitarbeiterInnen könnten außerdem  in Absprache mit KlientInnen einen Patientenpass ausfüllen in dem u.a. die aktuelle Medikation eingetragen wird. KlientInnen haben dann die Möglichkeit, diesen Pass bei den Facharztbesuchen vorzulegen.
Beispiele und Downloadmöglichkeiten für Patientenpässe:

Krisenpass für Menschen mit Psychoseerfahrung (Psychiatrieverlag)
Download

Patientenpass für Menschen mit psychischer Erkrankung (Coaching-Ausbildung Dr. Migge)
Download

Notfallausweis der Techniker Krankenkasse (Eintragungsmöglichkeiten für chronische Erkrankungen, Medikation, Impfungen; kann gleichzeitig als Organspendeausweis genutzt werden)
Download


Datenbanken zu Wechselwirkungen
Selbstverständlich muss die Entscheidung zur Verschreibung von Medikamenten bei den KlientInen und ihren Ärzten bleiben. Unter Umständen kann es aber hilfreich sein, sich mit KlientInnen, die eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen, über mögliche Wechselwirkungen zu erkundigen. Hier helfen Online-Datenbanken, die die verschiedenen Medikamente auf ihre Wechselwirkungen abgleichen. Die Nutzung einer solchen Datenbank bietet die Apotheken-Umschau kostenlos an. Umfangreiche Informationen zu sämtlichen Medikamenten und ihren Wirkstoffen bietet die App „Arznei-Info“ für Android und iOS. In der App  kann für 7,99 Euro eine Funktion nachgekauft werden,die Wechselwirkungen anzeigt.
Hier sind die Links:

Datenbank Wechselwirkungen der Apotheken-Umschau

App „Arznei aktuell“ für Android  und für iOS

 

Veröffentlicht unter Co-Morbidität, Materialien für die Praxis, Medikamente | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

E-Zigarette: Alternative zum Rauchen für Menschen mit psychischer Erkrankung?

Text (leicht bearbeitet) als PDF

Die E-Zigarette ist eine Möglichkeit, um vom Rauchen abstinent zu werden oder den Zigarettenkonsum zu reduzieren. Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen rauchen überdurchschnittlich häufig und können u.U. von der E-Zigarette profitieren. In diesem Beitrag wird sowohl die besondere Situation psychisch erkrankter Zigaretten-RaucherInnen berücksichtigt, als auch die Besonderheiten einer Entwöhnung oder Reduzierung des Zigaretten-Konsums vor dem Hintergrund der psychischen Erkrankung thematisiert. Mögliche Implikationen für die Praxis werden erläutert.

Die E-Zigarette wird immer populärer. Eingeführt wurde sie 2008, der Markt für die E-Zigarette gilt als lukrativ für Investoren.1http://www.aerzteblatt.de/archiv/159692/Die-E-Zigarette-praeventivmedizinische-
pneumologische-und-suchtmedizinische-Aspekte?src=search
Auch wenn die E-Zigarette vermeintlich ein Nischendasein fristet, so finden sich doch mittlerweile sehr aktive Lobbyisten, 2http://ig-ed.org/ die versuchen, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Der Handel für E-Zigaretten ist insofern transparent, als auf fast allen Händlerseiten deutlich gemacht wird, dass E-Zigaretten und das Zubehör nicht an Personen unter 18 Jahren verkauft werde und für verschiedene Risikogruppen  nicht geeignet sei. Wie eine Altersüberprüfung stattfindet ist aber in der Regel nicht klar. Aktuell streiten sich Vertreter der die Lobbyisten der E-Zigarette und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) darüber, inwieweit die Werbestrategien für E-Zigaretten und E-Shishas Jugendliche zum Konsum selbiger animieren.3http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/vorbeugung/
experten-nehmen-e-zigarette-ins-visier-poppiges-
e-zigaretten-design-macht-kinder-zu-dampfern_id_4324875.html

Auch sind die Tabakhersteller mittlerweile in den Markt für E-Liquids, den Flüssigkeiten zum Gebrauch von E-Zigaretten, eingestiegen und betreiben dabei ein aggressives Marketing.4http://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/E-Zigaretten-Welche-Tabakhersteller-
vom-neuen-Zugpferd-der-Branche-profitieren-1000170047/3

Das sollte alles bei der Einschätzung der E-Zigarette bedacht oder zumindest im Hinterkopf behalten werden.

1. Gesundheitsgefährdung
Grundsätzlich gibt es trotz unzähliger Studien keine eindeutige Sachlage zu der Frage wie sehr E-Zigaretten die Gesundheit langfristig gefährden. Vor dem Hintergrund einer bestehenden Tabakabhängigkeit  sind sich viele Experten aus verschiedenen Bereichen (z.B.  Suchtmedizin, Toxikologie) aber mittlerweile soweit einig, dass die E-Zigarette gegenüber der Tabakzigarette die deutlich weniger schädliche Alternative darstellt.  Einen guten Überblick verschafft dieser Artikel im Ärzteblatt. Neben der Eigengefährdung der „Dampfer“ selbst spielt im Alltag auch die Gefährdung der Personen im Umkreis eine Rolle. Auch hierzu gibt es noch sehr wenig Studien. Eine Gefährdung durch Passiv-Dampfen kann nicht ausgeschlossen werden, gilt aber als sehr viel weniger belastend als Zigarettenrauch. Nach aktuellem Wissensstand sollten sich DampferInnen in der Öffentlichkeit wie ZigarettenraucherInnen verhalten und sich am Raucherschutzgesetz orientieren. Das heißt, in öffentlichen Räumen wie Kneipen, Restaurant usw. auf das Dampfen verzichten, es sei denn, eine Erlaubnis ist eindeutig, z.B. durch einen Kneipenbesitzer erteilt worden.

2. E-Zigarette als Mittel zur Raucherentwöhnung
Auch wenn viele E-Zigaretten-User, oder wie sie sich auch selbst nennen, Dampfer, davon berichten wie ihnen die E-Zigarette bzw. das Dampfen geholfen hat, vom Rauchen wegzukommen, ist die Studienlage zum Entwöhnungseffekt nicht überragend. Die unabhängige  Cochrane Collaboration  kommt in einer Übersichtsarbeit zu dem Ergebnis, dass die E-Zigarette helfen kann, sich vom Tabak-Rauchen zu entwöhnen,5http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/
suchtkrankheiten/article/876485/e-zigarette-kleine-hilfe-weg-nicht-raucher.html
die Effekte sind aber relativ gering und gleichen denen von Nikotinpflastern. Entscheidend für einen Effekt ist im Übrigen die Verwendung von Liquids mit Nikotin (9 Prozent Abstinenz gegenüber 4 Prozent bei Liquid ohne Nikotin).  Die Autoren räumen aber auch ein, dass weitere Studien mit moderneren Geräten zur Nikotin-Verdampfung die Ergebnisse noch mal stark verschieben können (ebd.).  Immerhin haben 36 Prozent derjenigen, die E-Zigaretten mit Nikotin benutzten, ihren Zigarettenkonsum um die Hälfte reduziert. RaucherInnen, die nicht vorhaben, das Rauchen aufzugeben, haben in einer Studie den täglichen Tabakzigarettenkonsum mittels der E-Zigarette reduziert, ein kleine Gruppe (12,5%) um 80%.6http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3203079/

3. Funktionsweise der E-Zigarette
Der Aufbau der E-Zigarette ist im Prinzip immer sehr ähnlich. Zwar gibt es immer wieder Unterschiede, das Grundprinzip ist aber zumeist gleich oder ähnlich. Eine E-Zigarette  besteht aus einem Akku, einer Verdampfer-Einheit mit Tank, dem Verdampfer-Kopf und einem Mundstück (Drip-Tip). Das Liquid wird in den Tank eingefüllt und über den Verdampfer vernebelt. Die Energie für diesen Vorgang kommt vom Akku.

Grafik DER SPIEGEL E-Zigarette

Quelle: Spiegel-Online

Das Liquid ist dabei das Produkt, das permanent verbraucht wird und erneuert werden muss. Eine eindeutige Verbrauchsangabe ist dabei schwierig, weil der Verbrauch vom Dampf-Verhalten und von den entsprechenden Geräten abhängig ist. Zudem kommen noch die Kosten für die Verdampferköpfe hinzu, die auch in Abhängigkeit vom Dampfverhalten verschleißen. Grundsätzlich gilt das Dampfen aber gegenüber dem Zigaretten-Rauchen als sehr viel günstiger.
Bei einem Umstieg auf das Dampfen sollte man meines Erachtens Abstand von technischen Lösungen nehmen, die das Aussehen und die Größe einer herkömmlichen Zigarette haben und z.B. durch eine LED sogar die Glut imitieren. Bei diesen E-Zigaretten muss das Liquid aufgrund des kleinen Tanks sehr häufig nachgefüllt werden, außerdem sind die Akkus meist sehr schnell leer und müssen dann wieder aufgeladen werden.

3. E-Zigaretten und psychische Erkrankung
Der Anteil der RaucherInnen bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wird auf 75 bis 85% geschätzt und liegt damit sehr hoch.7http://journals.lww.com/amjmedsci/Abstract/2003/10000/Serious_Mental_Illness
_and_Tobacco_Addiction__A.14.aspx
Während in der Allgemeinbevölkerung der Anteil der RaucherInnen in den letzten 40 Jahren gesunken ist, zeigten sich bei den Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen keine Veränderungen (ebd.). Alarmierend ist der sehr viel höhere Anteil von psychisch erkrankten Menschen, die an einer COPD leiden (im Vergleich zu nicht psychisch erkrankten Gleichaltrigen).8http://ajp.psychiatryonline.org/doi/10.1176/appi.ajp.161.12.2317 Neben den massiven negativen Auswirkungen des Rauchens auf die körperlichen Funktionen profitieren Menschen, die an einer Schizophrenie leiden besonders von den psychoaktiven Wirkungen des Rauchens.  So verbessern sich durch das Rauchen die kognitiven Leistungen9http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18558153 und depressive Symptome sowie Stressempfinden lassen nach.10http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21723317
Trotz dieser, das Tabak-Rauchen eher begünstigenden Faktoren gibt es  Hinweise darauf, dass Menschen mit einer psychischen Erkrankung empfänglicher für den Gebrauch von E-Zigaretten sind, als nicht-betroffene Menschen. 11http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4145659/

4. E-Zigarette bei vorerkrankter Lunge
E-Zigaretten werden für die Entstehung von COPD bisher nicht verantwortlich gemacht. Es stellt sich die Frage, ob eine Substitution mit E-Zigaretten bei Menschen mit einer vorgeschädigten Lunge (z.B. diagnostizierte COPD) ratsam sein kann. Sollten alle anderen Methoden zu Erreichung eine Abstinenz bisher erfolglos gewesen sein, so wird der Rückgriff auf die E-Zigarette bei Personen  mit COPD zumindest nicht grundsätzlich abgelehnt.12http://www.lungenarztpraxis-tegel.de/uploads/E-Zigarette%20-%20Pro%20und%20Contra_1.0.pdf
Sollten ein Klient mit Vorerkrankung Interesse an einem (teilweisen) Umstieg auf die E-Zigarette haben, ist die Rücksprache mit dem Haus- oder gegebenenfalls Lungenfacharzt obligatorisch. Dabei muss man sich als betreuende Person darauf einstellen, dass die ÄrztInnen sehr skeptisch gegenüber dem Dampfen sind.  Sollten in der Vergangenheit alle anderen Alternativen zur Abstinenz-Therapie bereits erfolglos gewesen sein, dann könnte der Einsatz der E-Zigarette als weitere Therapie-Option erwogen werden.

5. (Mögliche) Hürden für Menschen mit psychischer Erkrankung
Trotz der vielen Vorteile der E-Zigarette ergeben sich in der praktischen Anwendung auch Nachteile gegenüber der herkömmlichen Zigarette, die insbesondere für Menschen mit einer schwereren psychischen Erkrankung eine Hürde darstellen können. So sind die Anfangsinvestitionen für ein gutes Gerät mit mindestens 30 bis 40 Euro recht hoch. Zudem sind die den Geräten beigelegten Anleitungen mitunter sehr rudimentär, viele Anfänger informieren sich deshalb im Internet über die Handhabung  der Geräte. Einen Internetzugang haben aber Menschen mit einer psychischen Erkrankung häufig aus Kostengründen nicht und Internetcafes sind auch nicht in jeder Region einfach zu erreichen. Aus dem gleichen Grund ist die Anschaffung oft erschwert, weil dort, wo es keine entsprechenden Läden gibt, den KäuferInnen lediglich die Online-Bestellung eines Gerätes bleibt. Weil viele Betroffene, die unter einer rechtlichen Betreuung stehen, aber nur einen eingeschränkten Zugriff auf ihr Bankkonto haben, ist der Online-Kauf von E-Zigaretten und Verbrauchsmaterialien  erschwert oder gar unmöglich.
Ein weiterer Nachteil der E-Zigaretten ist ihre Handhabung, die bei einigen Geräten ein gewisses Geschick erfordert. So ist das Auffüllen der Liquid-Tanks für Menschen mit einem Tremor oder eingeschränkter Feinmotorik ein recht schwieriges Unterfangen. Problematisch ist auch die notwendige Bevorratung mit Liquids und Verdampferköpfen. Diese setzt ein gewisses Maß an Planung voraus, um nicht plötzlich ohne Material dazustehen und dann doch wieder auf die herkömmliche Zigarette (vermehrt) zurückzugreifen. Ähnliche Schwierigkeiten ergeben sich unter Umständen auch bei einer kurzfristigen oder ungeplanten Aufnahme in die Psychiatrie.

6. Implikationen für die gemeindepsychiatrische Praxis
Nach heutigem medizinischen Kenntnisstand können MitarbeiterInnen den bestehenden Wunsch von KlientInnen, auf die E-Zigarette umzusteigen guten Gewissens unterstützen. Dies gilt insbesondere für KlientInnen, bei denen bisher alle Versuche, das Rauchen aufzugeben, fehlgeschlagen sind. Der Umstieg auf die E-Zigarette kann sowohl die Reduktion des Rauchens als auch den Rauch-Stopp unterstützen, die Effekte sind nach aktueller Studienlage aber nicht außerordentlich hoch.
Die oben (Punkt 5.) aufgeführten Besonderheiten der E-Zigarette in Bezug auf Anschaffung, Verfügbarkeit von Verbrauchsmaterialien und Handhabung erfordern aber möglicherweise die Unterstützung der KlientInnen.
Vielleicht liegt in der E-Zigarette auch langfristig die Chance, die Raucherräume in der Psychiatrie etwas zu „entschärfen“ und sie so auch für andere Aktivitäten nutzbar zu machen. Der Verleih der E-Zigarette seitens der Klinik z.B. während eines stationären Aufenthaltes ist vermutlich rechtlich und ökonomisch nicht opportun, aber gerade in der Psychiatrie finden sich manchmal unkonventionelle Wege, um die Situation der PatientInnen zu verbessern (Stichwort „Sozial-Zigaretten“).

 

Vorteile
  • Rauchreduktion oder -stopp wirkt weniger bedrohlich, weil habituelle Handlungen weiter vollzogen werden können
    <br class=”clear” />
  • Positive Wirkungen des Nikotins auf Kognition und Stimmung bei psychischer Erkrankung bleiben erhalten (bei Verwendung nikotinhaltiger Liquids).
    q
  • Mit der E-Zigarette steht ein weiteres Mittel zur Raucherentwöhung vor dem Hintergrund zu Verfügung, dass der Einsatz von pharmazeutischen Anti-Craving-Mitteln bei einigen psychischen Erkrankungen umstritten ist, weil Depressionen verstärkt oder Psychosen ausgelöst werden könnten
    <br class=”clear” />
  • Vielfältige Wirkungen  des Rauschstopps
    –> Verbesserung der Lungenfunktion
    –> nach aktuellem Kenntnisstand massive Verringerung des Krebsrisikos
    –>  keine gelben Finger / Zähne
    –> kein Rauchgeruch in Wohnbereichen und Kleidung
    d
  • Langfristig könnte eine geringere Belastung der Raucherräume in der stationären Psychiatrie diese auch anderweitig nutzbar machen.
Nachteile
  • möglicherweise Gewichtszunahme
    Leerzeile
  • Finanzierung
    –> relativ hohe Anfangsinvestition notwendig
    –> in ländlichen Regionen ist Liquidnachkauf häufig nur online möglich (nicht immer unproblematisch bei eingeschränktem Zugang zu Online-Banking)
    Leerzeile
  • Verfügbarkeit
    –> Bei kurzfristiger Klinikaufnahme ist die Verfügbarkeit von Equipment nicht immer gegeben.
    –> Planung der Bevorratung von Liquids und Verdampferköpfen nicht ganz banal, außerhalb von Städten oft nur Online-Kauf möglich
    –> Bei einigen Tanks wird eine gute Feinmotorik zum Befüllen mit Liquid vorausgesetzt.
    –> Ist die E-Zigarette nicht verfügbar, besteht hohe Wahrscheinlichkeit, dass auf Tabakerzeugnisse zurückgegriffen wird. 

Ergänzung: Eine gute (englischsprachige) Zusammenfassung der Möglichkeiten (und Hürden) des Rauschstopps durch E-Zigaretten im psychiatrischen Bereich bietet der kurze Text von Louise Ross: http://www.clivebates.com/?p=3014

Literatur   [ + ]

Veröffentlicht unter Co-Morbidität, Ko-Morbidität, Wissenschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Rezension „Borderline begegnen. Miteinander umgehen lernen“

Auf Socialnet ist eine neue Rezension zu folgendem Buch erschienen:

Susanne Schoppmann, Matthias Herrmann, Christiane Tilly: Borderline begegnen. Miteinander umgehen lernen. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2015. 143 Seiten. 19,95 EUR,

„Borderline begegnen“ tritt an, um „eine Verbindung zwischen Regel- oder Faktenwissen und einen verstehenden Zugang zum subjektiven Erleben der Betroffenen herzustellen“ (S. 15). So viel sei schon an dieser Stelle verraten, dieses Versprechen lösen die AutorInnen ein…
Rezension lesen

Veröffentlicht unter Kommunikation, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Psychoedukation geht online

Das Pharmaunternehmen Janssen-Cilag hat in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eine Internetsite mit psychoedukativem Inhalt zur Schizophrenie aufgesetzt.
Das Angebot macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck und ist wie ein typischer Online-Kurs aufgebaut. Man muss sich nicht anmelden, kann aber mittels eines Zahlencodes ein Lesezeichen setzen. Das ermöglicht die Rückkehr an eine Stelle, an der man den Kurs zuvor unterbrochen hat. Neuere Entwicklungen, wie die Psychotherapie für Menschen mit einer Schizophrenie wurden aufgenommen und auch die hohe Bedeutung der Selbsthilfe wird erwähnt.
Die in einzelnen Filmsequenzen nachempfundenen Szenen machen einen eher hölzernen Eindruck. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen. Auch ist der Internetauftritt nicht bis ins letzte Detail getestet worden. So funktioniert z.B. der Download des Therapieplans nicht. Auch inhaltlich ist nicht immer alles so ganz durchdacht. So werden als Baustein der Versorgung psychisch erkrankter Menschen die Personenzentrierten Hilfen für psychisch kranke Menschen unter der Abkürzung „PPM“ vorgestellt. Diese sind aber unter dieser spezifischen Bezeichnung lediglich in Hamburg als spezieller Leistungstyp bekannt. Hilfesuchende aus anderen Bundesländern wird dieser Begriff nicht unbedingt bei der Suche nach Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft weiterhelfen.
Die Seiten sind trotz der kleinen Fehler auch für berufliche EinsteigerInnen in der Gemeindepsychiatrie geeignet, die eine Einführung in die Erkrankung Schizophrenie und zur psychiatrischen Versorgungsstruktur suchen. Auch sollte immer bedacht werden, dass es sich bei einem solchen Angebot nicht um eine kostenlose „Nettigkeit“ eines Unternehmens handelt, sondern letztlich ein PR- oder Marketinginstrument darstellt, das letztlich rein ökonomischen Zielen dient.
http://psychose-wissen.de/

Veröffentlicht unter Fortbildung, Materialien für die Praxis | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Frohes neues Jahr

Gemeindespsychiatrie.info wünscht ein frohes neues Jahr

fireworks-417443_1280 (1)

Veröffentlicht unter Sonstiges | Hinterlasse einen Kommentar