Ergebnisse der Fachtagung „Spielregeln“ psychiatrischer Versorgung zwischen Markt und Regulierung

Vom 20. bis zum 21. Februar 2014 fand in Berlin eine Fachtagung zu ökonomischen Aspekten der (regionalen) Psychiatrie statt. Das Themenspektrum der Vorträge und Workshops reichte dabei von der Diskussion um das geplante Vergütungssystem „PEPP“, über Auswirkungen veränderter Arbeitsbedingungen auf ArbeitnehmerInnen bis zur Partizipation psychisch erkrankter Menschen.
Schon kurz nach der Tagung waren bereits die meisten Vorträge und Workshopbeiträge online. Sie können auf der folgenden Seite eingesehen und heruntergeladen werden:

http://www.fachtagung-psychiatrie.org/index.php/id-2014.html

 

 

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Rezension „Das Weddinger Modell. Resilienz- und Ressourcenorientierung im klinischen Kontext“

Titelbild Weddinger ModellAuf Socialnet.de ist vor einigen Tagen meine Rezension zum folgenden Buch erschienen:

Lieselotte Mahler, Ina Jarchov-Jàdi, Christiane Montag, Jürgen Gallinat: Das Weddinger Modell. Resilienz- und Ressourcenorientierung im klinischen Kontext. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2014. 272 Seiten. ISBN 978-3-88414-555-5. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR.

Link zur Rezension auf socialnet.de

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Forderung nach mehr Psychotherapie bei Erkrankung an Schizophrenie

TherapieLange Zeit galt die Psychotherapie bei Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung als kontraindiziert. Die früheren Thesen, Psychotherapie zeige keine Wirkung oder schade sogar den erkrankten Menschen, sind mittlerweile überholt. Die Autoren Andreas Bechdolf und Stefan Klingberg fassen die Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungen zur Wirksamkeit psychotherapeutischer  Interventionen bei Schizophrenie zusammen.

„Psychotherapeutische Interventionen bei Patienten mit schizophrenen Störungen wirken günstig auf den Symptomverlauf […] und unterstützen die Krankheitsverarbeitung der Betroffenen. Darüber kann der Krankheitsverlauf wesentlich verbessert werden. Die Evidenzlage ist erschlagend.“
In Studien zeigte sich, dass therapeutische Interventionen unter Einbeziehung der Familie besonders effektiv ist.  Zu diesen Interventionen gehören Information, Kommunikationstraining und die Früherkennung von Symptomen. Auch für die Psychoedukation und für die Kognitive Verhaltenstherapie in Einzelsitzungen gibt es eine hohe Evidenz.
Für die „medikamentös behandlungsresistente Schizophrenie“, insbesondere bei andauernder Positivsymptomatik wird die kognitive Verhaltenstherapie nach einer DGPPN-Richtlinie von 2006 empfohlen.
Die Autoren fordern u.a. Flexibilisierungen im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung, um Interventionen in der Familie, ambulante Gruppentherapien und verkürzte Sitzungen und Therapieverläufe zu ermöglichen.
Den kompletten Text können Sie hier herunterladen (Stand: Feb. 2014):
http://www.ddpp.eu/publikationen.html

Quelle:
Bechdolf, A. & Klingberg S. (2014). Psychotherapie bei schizophrenen Störungen: Kein Evidenz-, sondern ein Implementierungsproblem. Psychiatrische Praxis, 41 (01). 8-10.

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Petition fordert Verschiebung der Einführung des neuen Entgeltsystems in der Psychiatrie

blank_document_signature_pen_800_6425Bis zum 24.01.2014 besteht noch die Möglichkeit, eine Petition mitzuzeichnen, die fordert, dass das neue Psychiatrie-Entgeltsystem („PEPP“) erst 2017 eingeführt wird. Die spätere Einführung soll vor allem die Möglichkeit eröffnen, „sachgerechte Alternativen zum geplanten System zu entwickeln“. Den gesamten Petitionstext und die Möglichkeit, mitzuzeichen haben Sie unter dem folgenden Link:
https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2013/_10/_25/Petition_46537.html

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Rezension „Soziale Psychiatrie. Band 2. Anwendung“ von Wulf Rössler und Wolfram Kawohl

 

Aufbau

Das Buch umfasst fünf Teile.

Zu Teil 1: Präventive Ansätze

Der erste Teil befasst sich in drei Kapiteln mit der Suizidprävention, der Prävention von Suchterkrankungen und mit der Früherkennung von Psychosen.

Ajdacic-Gross stellt Risikofaktoren und eine Typologie des Suizids vor, um dann auf verschiedene Präventionsstrategien, insbesondere im Rahmen von Interventionen in der Öffentlichkeit, näher einzugehen.

Wulf Rössler, Wolfram Kawohl (Hrsg.): Soziale Psychiatrie. 2. Anwendung. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2013. 523 Seiten. ISBN 978-3-17-021988-5. 69,90 EUR.

Die Autoren Mutschler, Kowalewski und Kiefer differenzieren im Kapitel zur Prävention der Abhängigkeitserkrankungen zunächst die Begrifflichkeiten „schädlicher Konsum“, „Missbrauch“ und „Abhängigkeit“, um dann auf epidemiologische und neurologische Aspekte sowie die Evidenz von suchtpräventiven Maßnahmen einzugehen. Sie spannen dabei den Bogen von den legalen Substanzen Tabak und Alkohol bis zu den wichtigsten illegalen Drogen, mit dem Schwerpunkt auf erstere. Das Kapitel schließt mit Überlegungen zu den Grenzen und Fallstricken der Suchtprävention.
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Happy New Year

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Der Gemeindepsychiatrie wünsche ich für das neue Jahr:

  • Ökonomisierung nur, wenn sie den KlientInnen dient
  • genauso engagierte MitarbeiterInnen wie im Jahr 2013
  • mehr wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der Eingliederungshilfe
  • eine Anerkennung von EX-IN-AbsolventInnen als Fachkräfte im Rahmen eines prozentualen Anteils in gemeindepsychiatrischen Teams (SGB XII)
  • noch viel mehr Mitbestimmung seitens der NutzerInnen, Psychiatrie-Erfahrenen, KlientInnen (sucht Euch was aus)
  • eine weitere Ausbreitung des Recovery-Gedankens, und viele erfolgreiche Recovery-Geschichten, die auch wahrgenommen werden
  • zunehmende Beachtung der Sozialpsychiatrie in der DGPPN, die sich momentan ja schon abzeichnet
  • mehr psychiatrische FachpflegerInnen in gemeindespsychiatrischen Teams
  • weitere Schritte beim Überbrücken der Kluften zwischen den Sozialgesetzbüchern
  • junge TeilnehmerInnen auf Tagungen und Kongressen, die eine neue Generation in der Gemeindepsychiatrie entstehen lassen
  • Mut, den „Offenen Dialog“ auch in den Wohnhilfen häufiger einzuführen
    viele neue, gute Fachbücher
  • … und selbstverständlich ein Arbeiten, von dem unsere KlientInnen profitieren
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Gemeindepsychiatrie.Info wünscht schöne Weihnachtstage

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Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie schreibt Forschungspreise aus.

Die DGSP prämiert wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Sozialpsychiatrie, die theoretischer oder empirischer Natur sein können. Bei Eignung werden eingereichte Arbeiten zur Veröffentlichung bei den unterstützenden Verlagen empfohlen (Paranus Verlag, Psychiatrie Verlag). Die Arbeit darf nicht älter als zwei Jahre sein.
Neben dem eigentlichen Forschungspreis, der bereits zum neunten Mal vergeben wird, können sich nicht promovierte WissenschaftlerInnen unter 35 Jahren für den Nachwuchspreis mit Projektarbeiten, Bachelor-, Diplom- und Masterarbeiten bewerben.

Weitere Informationen zu den beiden Ausschreibungen finden Sie auf den entsprechenden Seiten der DGSP.

–> zur DGSP-Seite

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Rezension „Soziale Psychiatrie. Band 1. Grundlagen“ von Wulf Rössler und Wolfram Kawohl

Wulf Rössler, Wolfram Kawohl (Hrsg.): Soziale Psychiatrie. Band 1 Grundlagen. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2013. 447 Seiten. ISBN 978-3-17-021987-8. 59,90 EUR.

Entstehungshintergrund

Nach der Zeit der großen Reformen in der Psychiatrie, die stark von sozialpsychiatrischem Denken geprägt waren, fand in der psychiatrischen Wissenschaft eine Hinwendung zu biologischen Ansätzen statt. Gleichwohl liefert die Sozialpsychiatrie vielfältiges praxisrelevantes Wissen. Die Herausgeber treten mit ihrem Handbuch an, um „die vielen Forschungs- und Tätigkeitsfelder […der Sozialpsychiatrie]“ abzubilden.

Aufbau

Das Buch umfasst sechs Teile.

Zu Teil 1: Begriffsbestimmungen und historische Entwicklung

Im ersten Kapitel wird zunächst eine begriffliche Klärung der Sozialpsychiatrie vorgenommen. Diese ist vor allem vor dem Hintergrund des Missbrauchs der sozialen Psychiatrie im Nationalsozialismus notwendig. Vor dieser Zeit bildete sich eine begriffliche Entwicklungslinie entlang der mit der Industrialisierung aufkommenden sozialen Medizin, die zur Berücksichtigung sozialer Aspekte in der psychiatrischen Disziplin führte. Anhand des Forschungsparadigmas Schizophrenie erläutert Rössler die sozialpsychiatrische Perspektive und stellt u.a. Einflussfaktoren für die Genese und den Verlauf der Schizophrenie vor.
Rezension weiterlesen (externe Seite)

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Kurzzusammenfassung zum Besuch auf dem DGPPN-Kongress 2013

KonferenzraumHier einige, eher schlagwortartige Eindrücke vom DGPPN-Kongress 2013 in Berlin

Peer-Support
Eine vielleicht steile These: In den nächsten Jahren wird der klinische Bereich die Gemeindepsychiatrie bei der Beschäftigung von Peers überholen. Der Peer-Support wird in den Kliniken eine rasche Professionalisierung vollziehen, auch weil dort mehr Finanzierungsmöglichkeiten, z.B. über Forschungs- und Projektgelder bestehen. Diesen Eindruck muss beim Blick in das Kongressprogramm und beim Besuch diverser Veranstaltungen tatsächlich bekommen. Das Thema Peer-Support fristet dort mittlerweile kein Schattendasein mehr. Die Veranstaltungen zum Thema auf denen ich war, sind verhältnismäßig gut besucht gewesen.

Psychopharmaka
Keine Innovationen und business as usual. Überraschend war aber, dass einer der größten Stände der Industrie-Ausstellung kein Medikament bewarb, sondern ein Online-Programm zur Unterstützung von Menschen mit Bipolarer Störung und Unipolaren Depressionen. Ansonsten die üblichen Freizeitangebote für KongressbesucherInnen, die die keinem dörflichen Pfarrfest in ihrem Einfallsreichtum nachstehen.

Zwangsbehandlung
Das Thema Zwangsbehandlung wurde in mehreren Veranstaltungen zum Teil sehr kontrovers diskutiert,  wobei nicht ausschließlich Psychiatrieerfahrene ihre kritische Perspektive dargelegt haben, sondern vereinzelt auch Klinikärzte. Publizierte  Zahlen zu Veränderungen z.B. in Bezug auf die Zunahme von aggressiven Patientenübergriffen auf Akutstationen während der Phase, als man aus rechtlichen Gründen auf Zwangsbehandlung verzichtete, gibt es bisher m.W. nicht. Zwei Klinikleiter stellten die Ergebnisse ihren kleinen Erhebungen vor, diese kamen zu unterschiedlichen Resultaten (steigende Anzahl vs. gleichbleibende Zahlen). Letztlich stellt sich hier auch die Frage, welche Faktoren in Kliniken ohne Zwangsbehandlungen präventiv in Bezug auf aggressive Übergriffe wirken. Auffällig ist bei den ärztlichen BefürworterInnen der Zwangsbehandlung, dass bei Ihren Vorträgen der Zuhörer immer den Eindruck hat, es wird ausschließlich von medikamentöser Behandlung gesprochen und nur auf Nachfrage mit großer Selbstverständlichkeit plötzlich die Ablehnung einer Psychopharmakatherapie respektiert würde, wenn der Patient/die Patient sich auf eine Alternative (z.B. Psychotherapie) einlassen könnte.

Healing Design/Architecture
Eine neue Begrifflichkeit habe ich auch gelernt, was sicherlich hilft, den Beitrag zu Psychiatrie und Architektur zu ergänzen. Zum Thema Healing Architecture wurde ein Symposium angeboten, dessen Vorträge – wenn auch interessant – leider kaum konkrete Bezüge zur Psychiatrie hatten.   Aber mit „healing design“ und „psychiatry“ als Suchwörter bei diversen Suchmaschinen eröffnet sich ein ganz neuer Kosmos.

Mezis e.V. Mein Essen zahl ich selbst
Die Initiative „Mezis e.V.“ war ebenfalls wieder mit einem Stand vertreten. Ein kleiner nur, im Vergleich zu denen der Pharmafirmen, aber um so bemerkenswerter. Die Initiative setzt sich für die Unabhängigkeit von Ärzten gegenüber der Pharmaindustrie ein. Die Mitglieder verpflichten sich u.a. keine PharmavertreterInnen zu empfangen, keine Geschenke oder Einladungen zum Essen anzunehmen und sich durch herstellerunabhängige Veranstaltungen und Fachzeitschriften fortzubilden. Gerade viele psychiatrische PatientInnen haben ein großes Misstrauen gegenüber Psychopharmaka und nicht selten auch gegenüber den Herstellern. Vor diesem Hintergrund schaffen pharma-unabhängige ÄrztInnen womöglich Vertrauen. Wer auf der Suche nach einer Ärztin oder einem Arzt ist, die/der Mitglied bei Mezis ist, kann hierzu die Datenbank auf der Homepage des Vereins nutzen. Leider ist die Anzahl noch recht spärlich, interessanterweise finden sich aber im Vergleich zu anderen Fachärzten recht viele PsychiaterInnen bei der Suche. Die Datenbank lässt sich auf der Homepage von Mezis (linke Seite) mit Suchanfragen füttern.
zu Mezis

Compliance goes Adhärenz und Neuropletika goes Antipsychotika
Zweiteres ist ein Trend, der schon seit einigen Jahren zu beobachten ist. Die Formulierung „Neuroleptika“wird zunehmend zugunsten von „Antipsychotika“ vermieden. Ein Referent entschuldigte sich sogar dafür, hier begrifflich kurz wieder in alte Zeiten zurückgefallen zu sein. Eine Wandlung macht momentan auch der Begriff „Compliance“ durch, der immer häufiger durch Adhärenz ersetzt wird. Im Gegensatz zum Begriffspaar Neuroleptika/Antipsychotika die letztlich das Gleiche meinen, unterscheiden sich Compliance und Adheränz inhaltlich tatsächlich voneinander (siehe hier). Den PatientInnen ist zu wünschen, dass dieser Begriff nicht nur aus Gründen der Political Correctness Einzug in das Vokabular der Fachärzte findet, sondern dieser Ansatz tatsächlich in der Praxis Anwendung findet.

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